Der Ursprung der Runen
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„Ich weiß, daß ich hing
am windigen Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selbst mir selbst,
an jenem Baum,
da jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.
Sie spendeten mir
nicht Speise noch Trank;
nieder neigt ich mich,
nahm sie rufend auf;
nieder dann neigt ich mich.”
(Edda, Runenlehren 25 B 1-2)
Das altnordische und angelsächsische Runenalphabet ist eine aus alter Zeit überlieferte, in historisches und okkultes Dunkel gehüllte Schreibweise.
Es gibt mehrere Übersetzungsmöglichkeiten für das Wort Rune, doch sie alle haben eine ähnliche Bedeutung: Man kann es auf das altnordische und angelsächsische run zurückführen, wie auch auf das frühe isländische runar und das gotische runa. Diese Begriffe wiederum haben ihren Ursprung in der indo - europäischen Wortwurzel ru, die Geheimnis oder Geheimwissen bedeutet, und dem althochdeutschen runer, meist übersetzt mit "Flüstern", jmd. etwas zuraunen etc:
Altenglisch: runian (»flüstern«) leodrunan (»Liedrunen«)
Althochdeutsch: rune (»Geheimnis«, »Mysterium«)
Modernes Deutsch: raunen (»Geheimnisse flüstern«)
Altirisch: run (»Geheimnis«)
Altnordisch: runar (»Mysterien«)
Mittelwalisisch: rhin (»magischer Zauber«)
Finnisch: runo (»Lied«, »Gesang«, »Beschwörung«)
Der Ursprung der Runen geht auf die als Hallristinger Schrift bekannten prähistorischen Inschriften zurück, die von den Stämmen des Bronzezeitalters und der Jungsteinzeit hinterlassen wurden, die sich in Norditalien niedergelassen hatten.
Zwischen Runenalphabet, etruskischer Schrift und auch mit der alten keltischen Oghamschrift gibt es enge Zusammenhänge, was im Falle der etruskischen Schrift die Theorie der norditalienischen Herkunft bekräftigt.
Der Sage nach gilt Odin als Schöpfer der Runenschrift, denn er brachte sie den Göttern und Menschen. Man sagt, dass er sich das geheime Wissen aneignete, indem er als Akt der Selbstopferung 9 Tage und 9 Nächte von einem Speer durchbohrt am Weltenbaum Yggdrasil hing, wo er die Geheimnisse schließlich erfuhr. (siehe einführende Verse aus den Runenlehren)
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Die Geschichte der Runen
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Vermutlich gehen die Runen auf Muster südeuropäisch-nordalpiner Alphabete zurück. Als Entstehungszeit werden die Jahrhunderte v. u. Z. angenommen.
Bis zum 5. Jahrhundert hat sich eine weitgehend einheitliche Runenschrift entwickelt, die aus 24 Runen besteht und als Älteres Futhark (benannt nach den ersten 6 Lauten) bekannt ist. Im Volk überlebte es bis ins späte Mittelalter. Oben sind diese Runen ausführlich beschrieben.
Parallel dazu entwickelte sich etwa ab dem 8. Jahrhundert eine Runenschrift, die nur aus 16 Runen bestand und die wir das Jüngere Futhark nennen. Warum es zu einer Verkürzung kam, konnte bis heute nicht begründet werden. Manche Runenforscher vermuten, daß es sich hierbei um einen Verstümmelungsversuch gehandelt haben könnte, der im Zuge der Christianisierung die alten Quellen entstellen wollte.
Durch friesischen und englischen Einfluss kommt es zu einer Erweiterung auf 28 Schriftzeichen, das Angelsächsische Futhork. In Skandinavien hingegen wurde es auf 16 Zeichen vereinfacht, die Skandinavische Runenschrift. Diese zwei überdauerten die Christianisierung und war bis ins 10. Jahrhundert gebräuchlich
Das Armanen-Futhark mit seinen 18 Runen ist eine künstliche Erfindung des Guido von List. Da der um 1920 lebende List sich unbedingt das Runenlied Odins mit seinen 18 Strophen erklären wollte, schuf er ein entfremdetes Futhark und begründete darauf seine esoterischen Anschauungen
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Runen-Kunst
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Die ältesten bekannten Runendenkmäler stammen aus der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts (Spange von Himlingøe bei Kopenhagen, Speerspitze von Øvre Stabu). Etwa aus dem Jahr 200 stammt das Goldene Horn von Gallehus. Seit dem Ausgang des vierten Jahrhunderts begann man in Skandinavien damit, Runen auch in Stein zu hauen. Deutsche Runeninschriften finden sich vom fünften bis siebten Jahrhunderts nur auf losen Gegenständen.
Zwischen 900 und 1025 erreichte die Runenkunst in Dänemark, später in Schweden einen Höhepunkt. Bekannt sind mehr als 2000 Denkmäler. In diese sind die Runen meist in ein kunstvolles Schlangenornament eingehauen.
Ein besonders schönes Exemplar ist der unten abgebildete Runenstein aus Drävle in Uppland (Schweden), der einen Teil der Sigurd-Sage darstellt. Auch hier sind die Runen in einen Schlangen-bzw. Drachenkörper (des Drachen Fafnir) eingeritzt. Im oberen Teil ist Sigurd dargestellt, wie er dem Drachen in den Unterleib sticht.
Zwar waren die Runen nie eine allgemein gültige Alltagsschrift der Germanen, doch vor allem aus der Wikingerzeit gibt es, wie erwähnt, viele Funde, die Runen auf Alltagsgegenständen zeigen, sei z.B. es zur Weihung einer Waffe, der Rüstung etc, oder zur Kennzeichnung des eigenen Besitzes, wie z.B. Trinkhörner, Kämme oder Fibeln (siehe Bild rechts oben: die Runen besagen, dass diese Fibel (Mantelbrosche) einer Dame namens Melbrigda (?) gehört.)
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Rückseite einer Fibel |
Runen - heute |
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Für die magische Arbeit ist es nicht von grossem Interesse, woher die Runen kommen - sie sind da und das laut der nordischen Göttergeschichte bereits vor Anbruch der Menschenwelt. Von grosser Bedeutung jedoch ist die Feststellung, dass es sich bei den Runen um Zeichen handelt, die aus einer magisch-bildlichen Tradition heraus entstanden und nicht aus einer sprachlichen.
In den Runen ist eine starke Kraft, die auf der Gefühlsebene wirkt enthalten, welche auch bei Menschen, die keinerlei Ahnung von Runen haben, ihre Wirkung zeigt. Selbst die Kirche hat sich der Runenkraft bedient, indem sie aus Wunjo und Gebo eine Binderune schuf - heute bekannt als Zeichen des PAX CHRISTI.
Die Runen als Sinnbilder ermöglichen einen grossen Raum für Deutungen und fördern damit die Phantasie der Betrachter, öffnen den Zugang zur anderen Welt. Runen lassen sich nicht festlegen. Alle Auslegungen stimmen auf ihre Art und Weise - zumindest für den Menschen, der sie er- und gefunden hat.
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Die Runensätze (= Aett) |
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Die Runen werden in drei Gruppen (ættir = ’Achtel’ / ’Geschlecht’) à 8 Zeichen eingeteilt. Schon auf den Brakteaten von Vadstena und Grumpan (um 500 u.Z.) ist diese Einteilung belegt.
Die 3 Ættir sollten nicht als Freyrs Ætt, Ætt von Hagalaz / Hagals Ætt und Tyrs Ætt bezeichnet werden, da diese Götternamen aus viel späterer Zeit stammen.
Darüberhinaus gibt es auch die Zuordnung bestimmter Interpretationen zu den Ættir, wie F. Aswynn es macht. Demnach stehen die Runen im ersten Ætt für die grundlegenden, weltlichen Belange; die im zweiten Ætt für die psychologischen Aspekte auf eher individueller Ebene; die im dritten sind als Integration der beiden ersten Ættir auf höherer Ebene aufzufassen und beschäftigen sich mit sozialen Aspekten.
Eine ähnliche Unterteilung greift das Dumezilsche Schema der Unterteilung eines Pantheons auf (s. dazu auch die Seite über Höhere Mythologie): Die Funktionen der Fruchtbarkeit, Stärke und Herrschaft werden auf die 3 Ættir verteilt, so daß das erste mit der Fruchtbarkeit und Ernährung zu tun hat, das zweite mit Stärke und Kampf und das dritte mit Königtum und Priesterschaft.
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